Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Die Psychoanalyse und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie zählen zu den sogenannten aufdeckenden psychotherapeutischen Verfahren. Ihr gemeinsames Ziel besteht darin, unbewusste seelische Prozesse zu erkennen, zu verstehen und therapeutisch zu bearbeiten.

Grundlage dieser Verfahren sind die von Sigmund Freud beschriebenen Erkenntnisse über die Bedeutung von Übertragung und Gegenübertragung innerhalb der therapeutischen Beziehung. In einem verlässlichen und geschützten Rahmen eröffnet sich die Möglichkeit, innere Konflikte, wiederkehrende Beziehungsmuster und unbewusste seelische Dynamiken bewusst zu erleben und zu reflektieren.

Bereits die antike Aufforderung des Orakels von Delphi um 435 v. Chr. – „Erkenne Dich selbst in Deiner Menschenwelt.“ – verweist auf einen Gedanken, der bis heute den Kern psychoanalytischen Arbeitens beschreibt: Die Aufforderung zu Entwicklung der Persönlichkeit durch die Auseinandersetzung mit der eigenen inneren Welt und den Mitmenschen.

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie findet in der Regel in einem wöchentlichen Setting statt und konzentriert sich auf aktuelle Konflikte oder Belastungen, die mit dem bestehenden Leidensdruck in Zusammenhang stehen.

Im therapeutischen Prozess werden die eigenen Gefühle, Motive und Beziehungserfahrungen gemeinsam betrachtet. Ziel ist es, innere Konflikte besser zu verstehen und nachvollziehen zu können, weshalb bestimmte Gedanken, Gefühle oder Verhaltensweisen immer wieder auftreten.

Durch die Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen, Werten und inneren Anteilen entwickelt sich ein differenzierteres Verständnis der eigenen Persönlichkeit. Gleichzeitig richtet sich der Blick auf die Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen: Wie erleben wir andere Menschen? Welche Rolle nehmen wir in Beziehungen ein? Welche wiederkehrenden Muster prägen unser Miteinander?

Gemeinsam können so unbewusste Beziehungsmuster erkannt und deren Ursprung verständlich werden. Ein besseres Verständnis der eigenen Lebensgeschichte eröffnet neue Möglichkeiten, aktuelle Konflikte aus einer aktiveren Position zu erleben und konstruktive Formen des Umgangs mit sich selbst und anderen zu entwickeln.

Psychoanalyse

Eine psychoanalytische Behandlung erstreckt sich in der Regel über mehrere Jahre. Mit bis zu drei Sitzungen pro Woche – meist im Liegen – stellt sie die intensivste Form der psychodynamischen Psychotherapie dar und zielt auf eine nachhaltige Entwicklung der Persönlichkeit ab.

Die Psychoanalyse eröffnet einen geschützten Raum, in dem Gedanken, Gefühle und innere Erfahrungen frei zur Sprache kommen können. Gemeinsam werden die bewussten und unbewussten Motive des eigenen Erlebens und Handelns erkundet. Im Mittelpunkt steht das Verständnis jener inneren Konflikte, die seelische Leiden und psychischen Erkrankungen bedingen.

Diese unbewussten Konflikte zeigen sich nicht nur in den Ausführungen der Patientinnen und Patienten, sondern auch innerhalb der therapeutischen Beziehung. In der sogenannten Übertragung werden frühere Beziehungserfahrungen im Hier und Jetzt der Analyse erneut erlebbar. Dadurch können sie gemeinsam verstanden, eingeordnet und schrittweise bearbeitet werden.

Durch die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen – auch abgespaltenen – Persönlichkeitsanteilen sowie den eigenen Bedürfnissen, Werten und Beziehungsmustern entwickelt sich ein vertieftes Verständnis der eigenen Person. Dieser oftmals emotional anspruchsvolle Prozess schließt auch schmerzhafte Erfahrungen und Trauerprozesse ein und führt zu einer Reifung und Integration der Persönlichkeit, wodurch Menschen sich freier, klarer und ihrer Möglichkeiten bewusster erleben.

Verhaltenstherapie

Psychotherapie bedeutet für mich, gemeinsam zu verstehen, was Menschen innerlich bewegt: wie Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster entstanden sind und heute wirken. Oft geht es darum, sich selbst besser kennenzulernen, Bedürfnisse klarer wahrzunehmen, eigene Ressourcen wiederzuentdecken und Schritt für Schritt neue Handlungsspielräume zu entwickeln. Dabei sind mir Wertschätzung, Respekt, empathisches Verständnis und eine Begegnung auf Augenhöhe besonders wichtig. Ich verstehe Therapie als einen transparenten, gemeinsamen Prozess in einem sicheren und vertrauensvollen Rahmen.

Als Verhaltenstherapeutin verbinde ich gerne klassische kognitiv verhaltenstherapeutische Methoden mit emotionsfokussierten und akzeptanzbasierten Ansätzen der „3. Welle“, insbesondere der Schematherapie und der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Die Schematherapie unterstützt dabei, früh geprägte Muster und innere Anteile zu verstehen und schrittweise einen neuen, hilfreichen Umgang damit zu entwickeln. ACT ergänzt diesen Prozess, indem sie einen achtsamen und annehmenden Umgang mit Gedanken und Gefühlen fördert und dabei hilft, das eigene Handeln stärker an persönlichen Werten auszurichten – für ein Leben, das sich stimmig und erfüllt anfühlt.

– Dr. Julia Sieß

Verhaltenstherapeutische Kinder- und Jugendpsychotherapie

In meiner psychotherapeutischen Arbeit richte ich den Blick nicht nur auf die Schwierigkeiten von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, sondern ebenso auf ihre individuellen Stärken, Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten. Auch die Perspektive der Eltern und des familiären Umfelds beziehe ich dabei mit ein.

Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch und jedes Familiensystem über eigene Ressourcen verfügt und bereits vor Beginn einer Therapie vielfältige Herausforderungen bewältigt hat. An diese Erfahrungen und Fähigkeiten knüpfen wir im therapeutischen Prozess gemeinsam an.

Ziel ist es, persönliche Prägungen sowie wiederkehrende Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster besser zu verstehen. Dadurch können neue Freiräume entstehen: in der Wahrnehmung der eigenen Person, in der Bewertung belastender Situationen und im Umgang mit schwierigen Gefühlen und Erfahrungen.

Psychotherapie bedeutet für mich, das Verständnis für sich selbst im Zusammenhang mit der eigenen Lebensgeschichte zu vertiefen. Auf dieser Grundlage können neue Perspektiven entwickelt und größere Handlungsspielräume im Denken, Fühlen und Verhalten eröffnet werden.

Die therapeutische Zusammenarbeit orientiert sich dabei am jeweiligen Alter, am individuellen Entwicklungsstand und an den persönlichen Bedürfnissen der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Je nach Situation werden auch die Eltern oder andere wichtige Bezugspersonen in den therapeutischen Prozess einbezogen.

– Lena Hasenmaile

 

Unsere Gruppentherapie

Allgemeines zur Gruppenpsychotherapie in unserer Praxis

„Wenn Sie sich vorstellen, an einer Gruppenpsychotherapie teilzunehmen
– welche Vorstellungen, Gedanken oder Gefühle entstehen dabei?
Was spricht dagegen?“

Bei vielen Menschen, die sich auf dieses Gedankenexperiment einlassen, kommen unmittelbar spezifische sozial Themen ins Bewusstsein: Soziale Ängste, Sorgen sich erneut in der immer gleichen, kaum vermeidbaren und manchmal sehr leidvolle Rolle innerhalb von Gruppen wiederzufinden.

Die Antwort auf die Frage, „was spricht dagegen?“ deutet den zentralen Grund für eine Gruppenpsychotherapie an.

Der Schritt in eine Psychotherapiegruppe kostet Überwindung, doch er lohnt sich sehr, denn echtes Wachstum passiert genau dort, wo wir unsere Grenzen spüren und uns ihnen vorsichtig nähern. Die Gruppe bietet Raum eigenes und fremdes zwischenmenschliches Erleben zu verstehen und den Mitmenschen mit immer mehr Freiheit und Wahrhaftigkeit zu begegnen.

Unsere Gruppenpsychotherapien finden in den Räumlichkeiten unserer Zweigpraxis in der Olgastraße 3 in Tübingen statt. Eine Gruppe umfasst in der Regel fünf Teilnehmende die sich vor Beginn der Behandlung nicht kennen. Um einen geschützten therapeutischen Rahmen zu gewährleisten, sollen Kontakte außerhalb der Gruppensitzungen während der gemeinsamen Therapiezeit vermieden werden.

Die Gruppensitzungen dauern jeweils 100 Minuten und finden in einem klar strukturierten, verlässlichen therapeutischen Rahmen statt. Dieser bildet die Grundlage für Vertrauen, Offenheit und eine kontinuierliche gemeinsame Entwicklung.

Der Schutz der Gruppe ist für uns höchste Priorität. Selbstverständlich unterliegen sämtliche Inhalte der Gruppentherapie sowie die Identität aller Beteiligten der Schweigepflicht, der sich auch alle Teilnehmenden verpflichten. Gleichzeitig ist es uns wichtig, dass die Entscheidung für eine Gruppenpsychotherapie bewusst und nach kritischer Prüfung getroffen wird. Gruppenpsychotherapie setzt die Bereitschaft voraus, sich offen mit den eigenen Erfahrungen auseinanderzusetzen und anderen Menschen mit Interesse, Respekt und Offenheit zu begegnen. Ebenso gehört die Bereitschaft dazu, die Dynamik zwischenmenschlicher Beziehungen als wichtigen Bestandteil des therapeutischen Prozesses gemeinsam zu erforschen und zu verstehen.

Ob eine Gruppenpsychotherapie die passende Behandlungsform ist, wird im Rahmen der obligatorischen Vorgespräche im Einzelsetting gemeinsam mit der Gruppenpsychotherapeutin sorgfältig geprüft.

– Evelyn Reinhard-Miltz

Tiefenpsychologisch fundierte Gruppenpsychotherapie

„Erkenne Dich selbst in Deiner Menschenwelt.“

Der Mensch entwickelt sich von Beginn seines Lebens an in Beziehung zu anderen Menschen. Unsere Erfahrungen mit wichtigen Bezugspersonen prägen, wie wir uns selbst erleben, wie wir anderen begegnen und wie wir Beziehungen gestalten.

Vor diesem Hintergrund bildet die analytische und tiefenpsychologisch fundierte Gruppenpsychotherapie einen wesentlichen Schwerpunkt meiner therapeutischen Arbeit. Die Gruppe bietet einen geschützten Rahmen, in dem zwischenmenschliche Begegnungen unmittelbar erlebt, gemeinsam reflektiert und in ihrem tieferen psychischen Zusammenhang verstanden werden können.

Im Mittelpunkt stehen die oft unbewussten Gefühle, inneren Konflikte und Beziehungsmuster, die sich im Kontakt mit anderen Menschen immer wieder zeigen und nicht selten zu anhaltendem seelischem Leiden beitragen. Gerade innerhalb der therapeutischen Gruppe werden diese Muster erfahrbar und dadurch einer gemeinsamen Betrachtung zugänglich.

Ein zentrales Ziel der Behandlung besteht darin, zu verstehen, wie frühe Beziehungserfahrungen die heutige Wahrnehmung, Erwartungen und Reaktionen gegenüber anderen Menschen beeinflussen. Durch diese vertiefte Selbsterkenntnis entsteht die Möglichkeit, wiederkehrende Beziehungsmuster bewusster wahrzunehmen, alte und belastende Dynamiken schrittweise zu verändern und neue Beziehungserfahrungen zuzulassen.

Die therapeutische Gruppe eröffnet dabei einen besonderen Erfahrungsraum: Sie ermöglicht nicht nur das Nachdenken über Beziehungen, sondern auch deren unmittelbares Erleben. Dadurch können neue Formen des Miteinanders entstehen, die häufig über die Therapie hinaus wirksam bleiben und zu mehr innerer Freiheit, emotionaler Sicherheit und einer lebendigeren Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen beitragen.

– Evelyn Reinhard-Miltz

Verhaltenstherapie – Schematherapeutische Gruppenpsychotherapie

Die Schematherapie in der Gruppe hilft dabei, wiederkehrende, belastende Muster besser zu verstehen und zu verändern. Im Mittelpunkt steht die Arbeit mit sogenannten „inneren Anteilen“. Diese können sich z. B. als kritische innere Stimmen, starke Gefühle oder Schutzreaktionen zeigen. Grundlage ist die Idee, dass frühe Erfahrungen unser heutiges Erleben prägen. In belastenden Situationen werden oft alte Muster aktiviert - zum Beispiel Gefühle von Zurückweisung oder Wertlosigkeit. In der Therapie lernen Sie, diese inneren Anteile zu erkennen, zu verstehen und einen hilfreichen Umgang mit ihnen zu entwickeln.

Ziel ist es, die eigenen Bedürfnisse besser wahrzunehmen und langfristig ausgewogener für sich zu sorgen. Besonders gestärkt wird dabei der „gesunde Erwachsenenmodus“: der Anteil, der selbstfürsorglich und klar handeln kann. Die Gruppe bietet dabei einen wichtigen Rahmen. Sie ermöglicht Austausch, gegenseitige Unterstützung und neue, korrigierende Erfahrungen im Kontakt mit anderen Menschen.

Dafür werden verschiedene Methoden eingesetzt, zum Beispiel Stuhldialoge, Rollenspiele oder Imaginationen (Vorstellungsübungen). Ergänzend fließen Elemente der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) ein. Dabei geht es darum, Gedanken und Gefühle achtsam anzunehmen und sich an persönlichen Werten im Leben zu orientieren.

– Dr. Julia Sieß